Ecotrail Oslo 50KM – 25.05.2019 Teil 3

Bei KM40 ging es langsam raus aus dem Dickicht und rein in Richtung Oslo. Oslo! Das bedeutet Stadt, das bedeutet richtige Wege. Ebene Wege! Straßen!!

Es fiel mir schwer wieder in die Laufbewegung zu kommen. Alles fühlte sich träge und steif an. Aber das war hauptsächlich eine Kopfsache, das wusste ich. Ich war auf den ganzen Kilometern bisher kein bisschen außer Atem gekommen, da ich nicht dauerhaft laufen konnte und schon gar nicht schnell. Also habe ich versucht meinen gewohnten Trott wieder aufzunehmen: langsamer Dauerlauf auf der Geraden und bergab, bergauf schnelles Gehen.

Ich kam an der letzten Wasserstation vorbei. Noch ein letztes Mal das Gesicht unter Wasser halten und das letzte Gel herunter würgen. Auf geht’s, Endspurt, verdammt!

Nur noch 8km. Eine kleine Trainingsrunde.

42,2km. Marathon. Normalerweise wäre hier nun Schluss. Normalerweise klettere ich aber auch nicht an Ketten hoch und balanciere über Holzstege… zusammenreißen jetzt! 8km sind nichts. Und Trail ist jetzt auch vorbei. Gleich kommt deine Stärke: Straße und Asphalt!

Ich lief stur weiter und bemerkte wie ich eine Dreier-Gruppe an 80km Läuferinnen langsam einholte. Eine der drei Personen blieb plötzlich stehen und ging zügig an den Wegesrand, um sich dort ihres Mageninhaltes komplett zu entleeren. Sie lächelte mir kurz zu, entschuldigte sich und lief unbeeindruckt weiter. Naja, so kurz vor dem Ziel aufgeben ist ja auch keine Option. Da ich sie danach nicht mehr eingeholt habe, gehe ich davon aus, dass sie sicher im Ziel angekommen ist.

Endlich Straße, nicht mal mehr Schotterwege. Super! Ich fing an wieder etwas an Schwung zu gewinnen und konnte meine Pace sogar noch etwas steigern. Ja, da waren Schmerzen, aber das hätte alles schlimmer sein können. Ich überholte ein paar 50km Läufer und redete ihnen gut zu. Was ich schaffen kann, schaffen die doch schon längst! 3km vor Schluss habe ich meinen Fistbump-Norweger wieder getroffen. Er schleppte sich mühevoll mit ganz kleinen Schritten voran. Ich fragte ihn, ob er mit mir weiterlaufen möchte, er lehnte aber dankend ab. Er wünschte mir viel Glück und ich ließ ihn hinter mir.

Bester Typ!

Ich kam immer weiter Richtung Ziel. Ich traf noch ein bekanntes Gesicht, er humpelte langsam vor sich hin. Ich erkundigte mich, ob bei ihm noch alles ok sei. Er meinte er hätte die letzten 10km mit Krämpfen zu kämpfen, aber ansonsten wäre alles in Ordnung. Auch ihn überholte ich langsam und bewegte mich weiter Richtung Ziel.

Die letzten 2km. Innenstadt. Einheimische und Touristen betrachteten uns teilweise sehr verwundert. Warum humpelten hier immer wieder dreckige, halb desorientierte Menschen an ihnen vorbei? Ich hatte mittlerweile keine Lust mehr. Ich war wirklich sehr müde. 

Der letzte Kilometer. Wo zum Teufel war eigentlich dieses Ziel? Musste man das nicht langsam mal sehen?? Ich sah meinen Mann am Straßenrand stehen. Er versicherte mir, dass das Ziel hinter der nächsten Ecke sei. Wehe, das stimmt nicht!

Und da war es plötzlich. Tatsächlich, das Ziel. Meine Fresse, endlich! Schon fast keiner mehr hier… naja, mir egal. Ich will endlich aufhören zu laufen. Ich lief die letzten Meter, überquerte die Ziellinie und drückte die Stop-Taste auf meiner Uhr. Vorbei. Geschafft.

Strecke

Der Veranstaltungssprecher hieß mich im Ziel willkommen. Barbara aus Österreich, Platz 15 in ihrer Altersklasse, in 7h 19min. Ich war also fast 7,5h unterwegs. Wahnsinn. Nicht wirklich die Zeit die ich avisiert hatte, aber das war nicht wichtig. Ich war angekommen und ich war noch ganz. Und eigentlich kam mir das Ganze gar nicht soo lange vor.

Vorher / Nachher Bild

Ich ließ mir meine Medaille überreichen, setzte mich auf eine Parkbank am Hafen und trank den letzten Schluck aus meinem Trinkrucksack. Das war er also, mein erster Ultramarathon. 

Medaille

Ecotrail Oslo 50KM – 25.05.2019 Teil 2

Oben angekommen folgte ich weiter den orangen Pfeilen auf dem Boden und den gelb-roten Bändern in den Bäumen und Sträuchern, die die Strecke markierten. Andere Läufer wurden langsam sehr rar und ich sah nur noch ab und zu ein paar Mitstreiter in meiner unmittelbaren Nähe. Jeder hielt seine eigene Pace und ließ sich von niemandem aus der Ruhe bringen. 

Nach 22km führte die Strecke von Wald- und Schotterwegen plötzlich direkt ins Dickicht. Wären die Bänder nicht gewesen, wäre mir nie in den Sinn gekommen, dass es sich hierbei um einen „Weg“ handeln könnte.

Die letzten 2 Tage hatte es in Oslo sehr viel und kontinuierlich geregnet. Dementsprechend sah die Strecke hier auch aus, kein trockenes Plätzchen weit und breit. Steine und Wurzeln waren nass, meistens umgeben von knöchelhohem Schlamm dessen Tiefe man nie wirklich abschätzen konnte. Über größeren Matschgebieten lagen einzelne Bretter, damit man nicht bis zu den Knien versank. Über diese bereits völlig mit Matsch verschmierten Hilfsmittel zu balancieren war nicht gerade einfach.

Erschwerte Bedingungen durch den ausgiebigen Regen der Vortage.

Darüber zu laufen war für mich nicht wirklich möglich. Ich schlug mich durch das Unterholz und kümmerte mich nach dem dritten Tritt in ein Schlammloch dann auch nicht mehr wirklich um Pfützen und darum trockene Schuhe zu behalten. Erste Priorität war einfach nicht auszurutschen, keinen Ast ins Gesicht zu bekommen und nicht vom Weg abzukommen. Nichtsdestotrotz war ich einfach sprachlos von der Schönheit der Natur. Ich liebe Wald!

Ein paar Kilometer später kam ich an einen kleinen Bach über den eine Brücke führte. Nennen wir es mal Brücke. Ich stand davor und dachte mir… Ja, genau! Am Arsch die Henne…

leap of faith

Ich zuckte kurz mit den Schultern und lief mit 3 großen Schritten darüber. Die Brücke wackelte und bog sich unter meinem Gewicht. Ok, schlimmer kanns ja nicht mehr werden… ich folgte weiter den Markierungen. 

Ich kämpfte mich von hier an mehrere Kilometer durch tiefen Matsch und Wurzelwerk.  Der Weg fühlte sich unendlich lang an. Irgendwann kam ich auf ein Plateau von dem aus ich einen See sehen konnte. Wunderschön. Ich blieb kurz stehen um ein Foto zu machen und bemerkte wie mir plötzlich sehr schwindlig wurde. Ich hatte ein Dröhnen auf den Ohren, aber eigentlich fühlte ich mich noch okay. Ich blickte auf meine Uhr. 25km, Halbzeit.

Eine weitere Steigung geschafft.

Ich sollte mehr trinken und bald etwas essen, aber nicht jetzt. Trotz Schwindel lief ich weiter. Ich hatte das Gefühl, dass das Stehenbleiben es nur schlimmer machte. Also ging es den Hügel nach unten zum See. Dort badeten ein paar Leute, bei 17 Grad. Für Norweger wohl schon Hochsommer. Kurz hatte ich die Hoffnung, dass die Strecke nun wieder etwas leichter werden würde. Aber nein, wurde sie nicht. 

Kurze Verschnaufpause

Weiter ging es durch den tiefsten Wald. Das sollte ernsthaft ein „Weg“ sein? Ich holte ein, zwei Läufer ein und sah, dass sich diese an einer Eisenkette einen Felsen hinaufzogen. Ach komm, ernsthaft?? Na gut. Dann legen wir kurz vor KM30 halt noch eine Kletterpassage ein, von nix kommt nix. Zum Glück habe ich einen recht durchtrainierten Oberkörper und tatsächlich haben sich die Beine gefreut mal kurzzeitig nicht so viel zu tun zu haben. 

Bei KM30 die zweite Versorgungsstation. Hier gab es Kuchen. Wie gern hätte ich Kuchen gegessen, aber ich konnte beim besten Willen nichts Festes zu mir nehmen. Deshalb wurden nur kurz Hände und Gesicht unter Wasser gehalten und wieder ab auf die Strecke. 

Das Ziel rückt langsam näher.

Ich weiss gar nicht wie ich die nächsten 10km beschreiben soll. Ich kann mich nicht erinnern viel gelaufen zu sein. Wurzeln, Steine, Matsch, Äste im Gesicht. Einmal kurz verlaufen und danach einen viel zu steilen Abhang nach unten geklettert und mehr gerutscht als mir lieb war. So schmale Wege, dass man mit dem linken Fuß fast gegen die steile Böschung gestoßen ist und rechts einen sehr, sehr tiefen Abgrund neben sich hatte. Jetzt um Gottes Willen nicht stolpern! Auf keinen Fall hinfallen, egal wie müde Deine Beine gerade sein mögen. Heb Deine verfluchten Knie!!

Die Kilometer gingen dahin und ich hatte mittlerweile komplett das Zeitgefühl verloren. Ich hatte auf meiner Uhr absichtlich nur die Distanz, die aktuelle Pace und den Puls angezeigt. Desweiteren wusste ich, dass die Uhr in dichtem Wald ohnehin nur sehr ungenau misst. Aber Zeit war mir eh schon lange egal. 

Ecotrail Oslo 50KM – 25.05.2019 Teil 1

Am Samstag, den 25.05.2019 war es endlich soweit. Es wurde Zeit für meinen ersten Ultramarathon und auch ersten Trailrun. 

Ich hatte die Nacht zuvor eigentlich ganz gut geschlafen und diesmal auch den Luxus relativ lange schlafen zu können. Meine Startzeit belief sich auf 12 Uhr, da ich nur für die 50km Strecke und nicht für die vollen 80km angemeldet war. Mittlerweile ist mir klar, dass die 80km Strecke für mich zu dem Zeitpunkt nicht annähernd machbar gewesen wäre. 

Vorbereitungen für den Renntag

Ich habe mich um 7 Uhr aus dem Bett geschält und lauffertig gemacht. Alle Sachen wurden gepackt, ich habe mich für die Trailschuhe entschieden (Gott, war ich später dankbar dafür!), ausgiebig gefrühstückt und um 9 Uhr ging es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg zur Startlinie. 

Der Start für die 50km Läufer befand sich nördlich des Holmenkollen, in Frognerseteren. Als ich aus der Bahn ausstieg ließ ich den herrlichen Ausblick auf mich wirken. Kaum zu glauben, dass ich nun wirklich hier war, nach all der langen und harten Vorbereitung. Mit ein paar wenigen anderen Läufern ging es gemütlich Richtung Veranstaltung. 

Ausblick von der Bahnstation Frognerseteren

Mittlerweile lerne ich kleinere Laufevents sehr wertzuschätzen. Früher fühlte ich mich wohl, wenn ich in der Masse verschwinden konnte. Heute mag ich die Einsamkeit beim Laufen und das familiäre Treiben am Start und auch während des Laufs. In der Zeit in der wir auf den Startschuss um 12 Uhr warteten, kamen gegen 10:30 Uhr die ersten 80km Läufer vorbei. Unfassbar. Scheinbar kaum angestrengt – nach bereits 30km und über 1000hm – sprinteten sie an uns vorbei. 

Startbereich für die 50KM Läufer

Um 11:55 Uhr wurden wir dann schließlich an die Startlinie gebeten und ehe man sich versah waren wir auch schon auf dem Weg. 

Start!

Die ersten 2km gingen auf einem Schotterweg bergab. Nicht zu sehr trampeln und kontrolliert laufen! Ich habe etwas Tempo raus genommen und versuchte mich nicht zu sehr von anderen mitreißen zu lassen. Kurz danach ging es auch schon recht steil bergauf und ich tat was alle anderen auch taten, ich fing an zu gehen. Ich hatte mir im Vorwege bereits vorgenommen bergauf niemals zu laufen, egal wie einfach es in dem Moment auch erscheinen mochte und dies war auch die absolut richtige Taktik. Nach den ersten Kilometern kamen wir am Holmenkollen vorbei, wo die riesige Sprungschanze aus der Landschaft ragte. Was für ein Anblick!

Holmenkollen

Und so gingen die ersten Kilometer ins Land. Ein paar wenige über Straße und Asphalt, der Rest auf breiteren Wald- oder Schotterwegen. An Bächen, Wäldern und Seen entlag, vorbei an Skipisten an denen sogar noch etwas Restschnee lag.

Norwegische Idylle

Meine Pace war gut, etwas langsamer als geplant aber nicht der Rede wert. Zwischendurch wurde dem ein oder anderen Läufer zugelächelt, ein Norweger bestand darauf einen Fistbump mit mir zu machen. Ich mochte den Kerl.

Lockerer Trail-Abschnitt

Gute 2 Stunden waren bisher vergangen, ich wurde langsam richtig warm und ich war bereit für die größte Steigung bei KM19. Hier gab es den ersten Versorgungsstand, welcher auch gleichzeitig der Start für die 31km Läufer war. Diese waren aber bereits gestartet und längst nicht mehr in Sicht. Also kurz ein Stück Orange und Birne gegessen, um einen anderen Geschmack im Mund zu bekommen und dann in gemäßigtem Tempo ab nach oben! Die Steigung ging über geschätzt 3km. Wir marschierten alle recht zügig, das Tempo fühlte sich gut an.

Kleiner Bach, der uns mehrere Kilometer begleitet hat.

Ab und zu wurde ich, wie schon seit Beginn, von 80km Läufern überholt.  Hier schien aber auch wirklich niemand erschöpft zu sein. Es ging immer weiter nach oben und mir ging es richtig gut. Schon gute 20km rum und noch keine Ermüdung zu spüren… geil! Das schaffe ich! Dat löppt! Was ich hier aber noch nicht wusste… der eigentliche Trailrun lag noch komplett vor mir. 20 unberechenbare, harte Kilometer für Geist und Körper. 

Vorbei und Zurück

Da bin ich wieder. Zurück aus Oslo, mit einer neuen Medaille im Gepäck! :)

Ich werde in den nächsten 3 Tagen meinen Laufbericht und einen generellen Artikel zum ecotrail Oslo schreiben. Wahrscheinlich in mehreren Teilen, da das doch ganz schön viel Text (und Bilder) sein wird.

Danach nehme ich mir eine Auszeit und lasse erstmal alles auf mich wirken, bevor ich mich wieder in die Planung stürze.

Und bis dahin gibt es erstmal Currywurst und Pudding! ;)

Tag 339 – Statistik

Time flies when you are having fun…!

Es ist also wirklich schon 339 Tage her seitdem ich beschlossen habe einen Ultra Marathon zu laufen. Ich habe mich 29 Wochen explizit darauf vorbereitet, 29 Wochen Diät gehalten und ungefähr 250 Stunden mit Training vebracht.

Man selbst merkt von den Veränderungen immer wenig, da der Fortschritt wirklich langsam voran geht. Aber die körperliche Leistung kommt halt nicht von heute auf morgen. Aus meinem Gefühl heraus hätte ich gesagt, ach das hat doch alles nicht viel gebracht, jedoch sieht man an dieser Grafik, dass sich doch einiges getan hat:

Auch wenn sich hinsichtlich Gewicht recht wenig getan hat, sehe ich an den anderen Werten (und an meinen Klamotten und an den Vorher-Nachher-Fotos) einen deutlichen Unterschied. Damit bin sogar ich recht zufrieden.

Auch eine Verbesserung der Pace um ca. 1 Minute pro Kilometer (auslegbar auf alle Laufbereiche) ist auch nicht schlecht (obwohl ich nicht so viel leichter geworden bin, als ich eigentlich wollte).

Insgesamt bin ich seit Start des Trainingsplans 1370km gelaufen und hatte meistens 6 Trainingstage pro Woche. Rückblickend war das Training zeitlich wirklich sehr intensiv, aber noch machbar. Viel Luft nach oben sehe ich ehrlich gesagt aber nicht mehr. Ich habe sehr vieles für das Training vernachlässigt (Familie, Freunde, andere Hobbies) und es war schwer einfach mal abzuschalten.

Morgen geht es dann auf große Reise und Samstag stelle ich mich meiner bisher größten Herausforderung. Ein Bericht dazu wird nächste Woche folgen.

Bis dahin…!

Tag 336 – Nur noch eine Woche

Willkommen im Tapering!

Freitag habe ich meine letzte nennenswerte Trainingseinheit hinter mich gebracht, was jetzt noch folgt sind ein paar Mini-Trainings damit man das Laufen nicht ganz verlernt.

Montag und Dienstag werde ich mich mittels No-Carb Ernährung einmal entladen. Das hat beim letzten Mal sehr gut funktioniert – zu meinem Leidwesen – da ich diese Art der Ernährung wirklich nicht mag. Ab Mittwoch werden dann Kohlenhydrate ohne Ende geschaufelt, um die Speicher maximal aufzufüllen.

In den nächsten Tagen gibt es noch eine kleine Gegenüberstellung der Fakten, damit wir alle mal sehen was das Training in den letzten Monaten mit mir gemacht hat. Und am Samstag wird es dann endlich soweit sein…

Grundsätzlich bin ich guter Dinge. Ich habe mir eigentlich nichts vorzuwerfen. Ich habe bis auf ein Training alle Einheiten erfolgreich erledigt, ich war nie krank, meine Diät verlief auch zufriedenstellend. Nichtsdestotrotz ist die Angst vor dem Unbekannten auf jeden Fall da und ich bin generell neuen Herausforderungen immer sehr demütig gegenüber eingestellt.

Aber ich freue mich auf den Lauf und darauf mir danach Gedanken machen zu können, wie es sportlich weiter geht.

Tag 324 – Woche 9… DNF

Letzten Sonntag scheine ich ein Limit erreicht zu haben. Das ist aber eigentlich auch die Intention von Woche 8 und 9: an seine Grenzen zu gehen. Ich hätte diese zwar gerne im Rahmen meines Trainingsplans erreicht, aber was nicht ist ist nicht.

Grundsätzlich verlief die letzte Woche recht gut, ich habe aber heute die Vermutung, dass ich mich zu wenig erholt und eventuell auch zu wenig gegessen habe.

Der angedachte Marathon Trainingslauf wurde daher leider nur ein Halbmarathon. Nach gut 20km war einfach Schluß, hauptsächlich mental. Ich konnte meinen Körper beim besten Willen nicht mehr dazu überreden zu laufen. Ja, es war kalt und ungemütlich, aber normalerweise macht mir das nicht so viel aus. Je länger ich ging, desto absurder wurde der Gedanke laufen überhaupt noch in Betracht zu ziehen. Ganz egal wieviel ich auch mit mir argumentiert habe.

Nach 22km habe ich mich dann entschlossen den Heimweg anzutreten und kam schließlich nach guten 4km Fußmarsch zu Hause an. Den Rest des Tages war ich nicht mehr wirklich zu gebrauchen. Ich konnte kaum essen und mich nur sehr schwer auf den Beinen halten… so ganz sicher bin ich mir trotzdem immer noch nicht was das war.

Gestern habe ich dann eine Pause (Sport, Diät) eingelegt, viel geschlafen und zum Glück scheint heute der Spuk schon wieder vorbei zu sein. Ich konnte meine Trainingseinheit ohne Probleme bewältigen und war sogar recht zügig unterwegs.

Ich hoffe die fehlenden Kilometer letzte Woche mindern meine Chancen auf Erfolg in guten 2 Wochen (OMG!!! 2 WOCHEN!!!!111elf) nicht zu sehr und schlagen sich nur auf die Zielzeit nieder, die ohnehin unwichtig ist.

Aber mehr als mit den Schultern zu zucken bleibt mir nicht, das Leben ist ohnehin sehr oft RNG… Also wird das Training und die Diät wieder aufgenommen, die letzten Einheiten abgearbeitet und versucht bis zum Tag X einfach nicht durchzudrehen… oO’

Und vielen lieben Dank an alle, die mich am Sonntag aufgebaut und mir Mut zu gesprochen haben. :) Ich weiß das sehr zu schätzen!!

Tag 319 – Ein bisschen Statistik

Kommen wir doch heute mal ein bisschen zum Thema Statistik. Im Mai werde ich ohnehin ein paar mehr Auflistungen, Reviews und Vergleiche posten, um nachzuvollziehen was sich in den letzten Tagen, Wochen und Monaten getan hat.

Der April 2019 ist für mich in dem Sinne besonders, dass ich im genannten Monat so viel trainiert habe wie noch nie (seitdem ich 2011 mit dem regelmäßigen Laufen begonnen habe). Was das Ganze noch eindrucksvoller macht ist die Tatsache, dass es mir immer noch sehr gut geht. Ich fühle mich weder außerordentlich müde und/oder schwach, ich kränkel nicht und mein Zeitmanagement ist auch noch in Ordnung.

Ich bin letzten Monat insgesamt 255km gelaufen, davon 2 Marathons innerhalb von 3 Wochen. Ich habe gute 45h trainiert (Laufen, Kraftsport, Schwimmen, etc. pp.) und meine Lauftechnik merklich verbessert.

Diese Woche stehen die letzten anspruchsvollen Einheiten auf dem Plan und Ende nächster Woche geht es langsam Richtung Tapering.

Und auch wenn ich täglich ein klein bisschen nervöser werde weiß ich zumindest, dass ich in meiner Vorbereitung wohl nicht hätte mehr machen können.

Tag 316 – Hamburg Marathon 2019

Gestern habe ich zum 5. Mal am Hamburg Marathon teilgenommen und diesen auch (Vorsicht: SPOILER! ;)) ge-finished. Zum ersten Mal war ich 2012 dabei, 2014 musste ich das Rennen wegen einer Verletzung ausfallen lassen.

Und da sind wir auch schon beim eigentlichen Thema. Ich habe gestern zum ersten Mal eine offizielle Veranstaltung nicht als Wettkampf (also wirklich all-out) gelaufen. Dass es mir möglich ist einen Marathon mit geringer Anstrengung zu schaffen habe ich vor 2 Wochen bereits ungläubig festgestellt. Das Event gestern war aber nochmal eine ganz neue und auch etwas unangenehme Erfahrung.

Kurz zu den Fakten: ich war 10 min schneller als beim Trainingsmarathon vor 2 Wochen, ich habe heute (am Tag danach) etwas schwere Beine aber sonst keinerlei Ermüdungserscheinungen oder gar Muskelkater, meine Pace war etwas zu schnell, weil ich gegen Ende einfach nochmal Gas geben wollte und der Anfang wirklich sehr mühelos lief.

Der Plan war vorab klar, alles wie gehabt. Alle 5km Gehpausen zwecks Verpflegung und um den Puls etwas zu regulieren, ansonsten immer schön im GA1 Bereich bewegen und eventuell die letzten 4km etwas auf die Tube drücken. So wurde der Wasserrucksack befüllt und mit Müsliriegel und Gels bepackt und auf gings zum Hamburger Messeturm an die Startlinie.

Ich stand wie schon so oft im letzten Startblock. Warum auch nicht, ich hatte ja auch vor alles sehr entspannt anzugehen.

Und so überquerten wir um 09:45 Uhr (ungefähr 15 Minuten nach der Elite) als Schlusslichter die Startlinie. Viele Läufer strömten anfangs noch an mir vorbei. Ich lief die gesamte Strecke immer nahe am Straßenrand, ohne auf die blaue Linie (Optimallinie) zu achten um niemanden zu behindern.

Bereits bei KM5 zog sich das Feld in die Länge und bei KM15 sah ich nur noch vereinzelt Läufer um mich herum. Für mich ein gewohnter Anblick, da ich oft Rennen laufe für die ich gerade so geeignet bin und daher die Anzahl an verhältnismäßig langsamen Läufern gering ist.

Je länger ich unterwegs war, desto unangenehmer wurde mir die ganze Sache aber irgendwie. Je weiter fortgeschritten die KM Anzahl desto mehr schmerzverzerrte Gesichter sah ich. Leute, die sich die Unterschenkel massierten um die Krämpfe loszuwerden. Zusammengesackte Körper, die sich gehend oder auch humpelnd weiter nach vorne kämpften. Und ich nebenher, fast ohne Anstrengung meine langsame Pace haltend, teilweise sogar gelangweilt oder ein wenig zu fröhlich. Niemand mag solche Leute. Auch ich nicht. Schon gar nicht ich! Niemand möchte ums Überleben kämpfen, während nebendran jemand sich aus Langeweile in der Nase bohrt, Fotos macht oder chattet.

Aber nicht nur gegenüber den anderen Teilnehmern hatte ich ein schlechtes Gewissen. Ich hatte auch das Gefühl den Zuschauern Unrecht zu tun. Ja, ich hatte diesmal die Möglichkeit mit wirklich jedem abzuklatschen, was die Kiddies sehr gefreut hat. Ich hatte aber ein mieses Gefühl, wenn mich Zuschauern anfeuerten. “Du schaffst das! Gib nicht auf! Du bist toll!”, denn ich brauchte diese aufbauenden Worte nicht. Für mich war von Start an klar, dass ich ankommen werde und das voraussichtlich noch ohne echte Anstrengung…

Bei KM35, meiner letzten Versorungspause, die ich eingelegt habe, habe ich einer Freundin eine Nachricht geschrieben, dass ich bald im Ziel bin und ich mich freue, dass ich gleich noch etwas schneller laufen darf. Ein Zuschauer am Rand hatte das gesehen und mir zugerufen “Na, wenn das (am Handy rumspielen) noch geht, kann das alles ja nicht so schlimm sein!”. Ich entgegnete nur, dass es auch absolut nicht schlimm sei. Nein… sowas will echt niemand hören, schon gar nicht, wenn ab KM35 alles einfach nur noch weh tut.

Als Trainer hat mich die gestrige Erfahrung auf jeden Fall voran gebracht. Ich konnte “in Ruhe” beobachten wie man ab einer gewissen Erschöpfungsgrenze zusammensackt und man sich den Lauf unbewusst bzw. gezwungenerweise noch schwerer macht als er ohnehin schon ist. Auch welche Fehler man als unerfahrener Läufer macht und wie man diese verhindern kann.

Nichtsdestotrotz werde ich davon Abstand nehmen offizielle Veranstaltungen als Training zu “missbrauchen” (außer als Pacer). Nach dem gestrigen Tag habe ich den geplanten Lauf für diesen Sonntag gecancelt. Nicht nur wegen meiner Erfahrungen, sondern auch weil ich mich selbst unterschätzt habe. Ich dachte ich bräuchte offizielle Läufe um diese Trainingsdistanzen überhaupt schaffen zu können, aber das ist nicht der Fall.

Daher laufe ich diese Woche noch einen letzten, langsamen Marathon vor meiner Haustüre und schließe damit dann – hoffentlich – Woche 9 meines Ultra-Trainingsplan erfolgreich ab. Und da ich 20KM Läufe nicht mehr als “lang” betrachte wird dies dann auch mein letzter langer Lauf vor meinem Wettkampf sein.

Tag x kommt näher und näher. Und ja, ich habe immer noch immensen Schiss davor. ;)

Tag 310 – Woche 8

Und da ist sie schon… einfach mir nichts, dir nichts… Woche 8.

Jeder Läufer mit Trainingsplan kennt das. Es gibt diese 2 Wochen im Trainingsplan vor denen man einen riesigen Respekt hat. Bei meinen Trainingsplänen sind das immer die Wochen 8 und 9 (von einem 12-wöchigen Trainingsplan).

Man ist schon relativ erschöpft vom Umfang der letzten Wochen (auch wenn man aus einer Regenerationswoche kommt) und dann trifft man auf 2 Wochen mit dem höchsten KM-Umfang und teilweise auch hohem Tempo. Wer liebt das nicht?!

Es stehen zwar nur 3 Laufeinheiten diese Woche an, jedoch ist eine davon ein Marathon und die restlichen Einheiten wie Krafttraining, Schwimmen und Lauftechnik sind auch nicht ohne. Das Ganze in Kombination mit meiner Diät, die im Moment wirklich schwer zu halten ist, da ich durch die viele Bewegung einfach immer mehr Hunger bekomme.

Ich muss zugeben ich hatte sehr große Angst vor diesen beiden Wochen. Noch nie zuvor war mein Trainingsumfang so hoch. Jedoch muss ich sagen, ich habe doch etwas an Angst verloren. Ich fühle mich sehr fit und immer noch recht erholt. Diese und nächste Woche einen Trainingsmarathon zu laufen erscheint auch nicht nicht mehr utopisch, da mein letzter Marathon vor 1,5 Wochen wirklich sehr entspannt war.

Auch wenn mein letzter Trainingswettkampf am Samstag so richtig in die Hose ging, da ich mich absolut überschätzt und die Umstände unterschätzt habe, denke ich, dass ich das schaffen kann. Vielleicht wird es sehr hart, aber ich habe jetzt bereits 22 Wochen dediziertes Training hinter mir und ich meine ich bin ein großes Stück weiter gekommen.

Mal sehen, ob ich kommenden Montag immer noch dieser Meinung bin… ;)

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